Erst ein Kuss und dann das Klopapier
Eben noch haben sich Anna und Ludo völlig verliebt tief in die Augen geschaut und schon streiten sie sich über Pfandflaschen und Klopapier. Mit Zweiohrküken bringt Til Schweiger einen sympatischen und brüllkomischen Keinohrhasen-Nachfolger ins Kino.

Verdammt! Wieder mal kein Klopapier, obwohl er es besorgen sollte.
Die große Anziehungskraft von romantischen Komödien liegt in der Frage «Kriegen sie sich oder vielleicht doch nicht?». Dann endlich, am Ende, der Kuss. Alles lächelt und seufzt verzückt. Fortsetzungen solcher Filme haben ebenfalls ihre ganz eigenen Gesetze. Nach dem Kuss kommt der Alltag, dann die erste Krise und natürlich eine Trennung.Und wieder die Frage «Kriegen sie sich oder vielleicht doch nicht?».
Mit Zweiohrküken, der Fortsetzung des Publikumshits Keinohrhasen, beweist Til Schweiger, dass er das romantische Komödienfach perfekt beherrscht. Und so merkt man trotz aller bedienten Konventionen dem Film nicht an, dass er ganz akribisch nach Schema F gestrickt ist.
Tänzelten die etwas tolpatschige Kindergärtnerin Anna und der smarte Ludo im ersten Teil noch etwas unsicher umeinander herum, streiten sie sich diesmal über Pfandflaschen, Wohnungschaos und Klopapier. Was halt so alles zum Beziehungsalltag dazu gehört.
Zu kriseln beginnt es, als ehemalige Bettgespielen der beiden auftauchen und wild an dem Paar herumbaggern. Dass Mrs. und Mr. Ex eine besonders pralle Oberweite und ein riesiges Gemächt haben, was sie auch völlig ungeniert und freizügig in die Kamera halten, ist den Unsicherheiten der beiden Liebenden nicht gerade förderlich. Und so machen sie im Umgang mit der Krise natürlich auch alles falsch, was falsch zu machen ist. Auf der Leinwand führt das zu Tränen, im Kinosaal zu quietschendem Vergnügen.
Wenn Til Schweiger nicht nur die Hauptrolle übernimmt, sondern sich auch auf den Regiestuhl setzt und beim Drehbuch mitkritzelt, dann scheint er kaum etwas falsch zu machen. So ist Zweiohrküken auch durchaus ein würdiger Nachfolger für den sympathischen Keinohrhasen geworden.

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Zielsicher abgefeuerte Gags
Es gelingt Schweiger nicht nur seine eigentlich völlig unspektakuläre Geschichte charmant und flott zu erzählen. Gags, Zoten und Situationskomik sitzen in den meisten Fällen perfekt, sodass vor brüllendem Gelächter die ein oder andere Dialogzeile völlig verloren gehen dürfte.
Auch schafft die Komödie den Balanceakt zwischen den großen Gags, die in regelmäßigem Abstand zielsicher auf das Publikum abgefeuert werden und der liebevollen Beziehungsgeschichte, die Schweiger durchaus sehr ernst nimmt. Dass er bei den großen Gefühlen nie in seichten billigen Kitsch abdriftet, sondern immer ehrlicher Geschichtenerzähler bleibt, ist ihm hoch anzurechnen. Es wäre bei diesem Film sehr leicht gewesen, auf die Schmalztube zu drücken.
Die bezaubernde Nora Tschirner macht in Zweiohrküken zudem genau das, weswegen sie den Kinogängern so ans Herz gewachsen ist. Ein bisschen tollpatschig, ein bisschen peinlich, völlig uneitel und unglaublich niedlich wuselt sie ihre Anna durch das Gefühls-Chaos.
Schade ist nur, dass Matthias Schweighöfer als Ludos ehemaliger Kollege und schlechtester Flirter vor dem Herrn nur noch sehr sporadisch durch die Szenen hüpft. Dafür sorgt er aber für einige der besten Gags. Als kleines i-Tüpfelchen liefern Uwe Ochsenknecht und Heiner Lauterbach zwei herrlich komische Cameos und Schweiger gibt eine brüllkomische Drag Queen ab.
Titel: Zweiohrküken
Regisseur: Til Schweiger
Hauptdarsteller: Til Schweiger, Nora Tschirner, Matthias Schweighöfer, Uwe Ochsenknecht, Heiner Lauterbach
Spielzeit: 124 Minuten
Produktionsland: Deutschland
Produktionsjahr: 2009
FSK: ab 12 Jahren
Kinostart: 3. Dezember 2009